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Vietnam ·1938 (Gründung in Hanoi); Entwicklung unter französischer Kolonialherrschaft ·Nguyễn Lộc (阮禄, 1912–1960)

Vovinam — Vietnams Kampfkunst der nationalen Befreiung

Vovinam ist Vietnams nationale Kampfkunst — 1938 von Nguyen Loc als Mittel der Befreiung vom Kolonialismus gegründet, aufgebaut auf dem Prinzip von Hart und Weich als Einheit.

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Inhalt

Vovinam (Viet Vo Dao, 越武道, „Vietnamesischer Weg der Kampfkünste”) ist Vietnams nationale Kampfkunst — entstanden nicht nur als Selbstverteidigungssystem, sondern als politisches Manifest. Nguyễn Lộc (1912–1960) gründete Vovinam 1938 in Hanoi während der französischen Kolonialherrschaft mit einem klaren Ziel: Die vietnamesische Jugend körperlich und geistig zu stärken, um die nationale Unabhängigkeit zu erkämpfen. „Leben, anderen helfen zu leben, und für andere leben” — dieser dreifache Leitsatz ist das Kernprinzip des Systems, das weit über Kampftechnik hinausgeht. Technisch basiert Vovinam auf dem Prinzip von Hart und Weich (Cương Nhu): direkte, harte Angriffe werden mit fließenden, weichen Umleitungen kombiniert. Das System integriert Schläge, Tritte, Kniestöße, Ellenbogen, Hebel, Würfe und Waffenarbeit — ergänzt durch Elemente des chinesischen Kung Fu und japanischen Judo, die Nguyễn Lộc studiert hatte. Heute ist Vovinam in über 60 Ländern verbreitet und bildet das Rückgrat des vietnamesischen Kampfsportwesens.

Geschichte und Gründer

Nguyễn Lộc (1912–1960) wuchs im nördlichen Vietnam unter der Kontrolle der französischen Kolonialmacht auf. Als Kind und Jugendlicher studierte er traditionelle vietnamesische Volkskampfkünste, die seit Jahrhunderten praktiziert worden waren — aber nie systematisiert oder öffentlich gelehrt wurden.

Er erkannte, dass Vietnam eine nationale, moderne Kampfkunst brauchte: eine, die auf vietnamesischen Traditionen basierte, aber systematisch und lehrbar war. Gleichzeitig musste sie politisch sein — ein Werkzeug der nationalen Identitätsstiftung.

1938: Nguyễn Lộc gründet das erste Vovinam-Training in Hanoi. Das System verbindet:

  • Traditionelle vietnamesische Kampftechniken (aus verschiedenen Provinz-Stilen)
  • Chinesische Kung-Fu-Elemente (Strikes, Formen)
  • Japanisches Judo (Wurftechniken, Bodenkampf)

1939: Die erste öffentliche Demonstration in Hanoi trifft auf enormen Resonanz — und sofortige Unterdrückung durch die französische Kolonialverwaltung, die die nationalistische Bedeutung verstand.

Unter dem Viet Minh und Kriegszeit: Vovinam wurde zu einem integralen Teil des vietnamesischen Widerstands — Nguyễn Lộc trainierte Guerillakämpfer.

Nach 1960: Nguyễn Lộcs Schüler führten das System fort. Nach dem Vietnamkrieg emigrierten viele nach Frankreich, in die USA und andere Länder — und verbreiteten Vovinam weltweit.

Technische Grundlagen

Vovinam basiert auf dem Cương Nhu-Prinzip (剛柔, Hart-Weich):

Cương (Hart)Nhu (Weich)
Direkte SchlägeFließende Ausweichbewegungen
Explosive KicksKreisförmige Umlenkungen
Direkte KraftHebelwirkung und Tai Sabaki

Das System umfasst:

Angriffstechniken: Schläge mit Fäusten, Handkanten · Tritte (Vovinam ist für seine Scheren-Kicks bekannt) · Ellenbogen · Kniestöße

Spezial-Techniken: Fliegende Scheren-Kicks (Đòn Chân Bay) — beinhaltend zweiarmige Beinscheren aus der Luft — sind das ikonischste Element des Vovinam

Grappling: Würfe und Hebel aus dem Judo-Erbe · Gelenkkontrolle · Bodenkampf

Waffen: Kurzschwert (Dao) · Stab · Messer · Fächer

Die Zehn Prinzipien

Vovinam hat einen expliziten ethischen Kodex (Mười Điều Tâm Niệm):

  1. Vaterlandsliebe und Menschlichkeit
  2. Loyalität gegenüber der Kunst und dem Lehrer
  3. Ehrlicher Geist und echtes Können
  4. Bescheidenheit und Sparsamkeit
  5. Mut und Ausdauer
  6. Gleichmut und Gerechtigkeit
  7. Intellektuelle Weiterentwicklung
  8. Hilfe für Schwächere
  9. Vertrauen auf eigene Kraft
  10. Respekt vor anderen Kampfkünsten

Verbindungen zu anderen Kampfkünsten

  • Pencak Silat — südostasiatisches Pendant; beide Systeme entstanden in kolonialen Kontexten und trugen zur nationalen Identität bei
  • Taekkyeon — ähnliche Geschichte: Volkskampfkunst, beinahe verboten, durch nationale Bewegung bewahrt
  • Judo — technische Einflüsse bei Wurftechniken
  • Kung Fu — chinesische Einflüsse bei Schlag- und Formtechniken

Heute

Vovinam wird in über 60 Ländern gelehrt — der World Vovinam Federation (WVF) gehören Verbände in Europa, Amerika, Asien und Afrika an. In Vietnam ist es Pflichtbestandteil von Schulen und Militärausbildung. Wettkämpfe finden in den SEA Games statt.

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Autor: Redaktion ·Mai 2026
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