百者
Stile Philosophie Meister Training
Japan ·1968 Ernennung · 1972 Tod des Lehrers · 1978 Name in Gebrauch ·Masaaki Hatsumi (初見良昭, *1931)

Bujinkan — die Organisation, nicht die Kunst

Die Dachorganisation für neun Ryūha, geführt von Masaaki Hatsumi. Ihre Nachfolge ist belegt, ihre Ahnenreihe nicht — beides aus derselben Quelle.

Bujinkan Ninjutsu Masaaki Hatsumi Takamatsu Toshitsugu Togakure-ryū Sōke Graduierung Japan Noda

Stilbaum

Inhalt

Die Bujinkan (武神館, „Halle des göttlichen Kriegers”) ist keine Kampfkunst, sondern die Organisation, in der neun japanische Ryūha zusammengefasst sind — drei davon werden dem Ninjutsu zugerechnet, sechs sind Samurai-Bujutsu. Ihr Oberhaupt ist Masaaki Hatsumi (初見良昭, *1931), ihr Honbu Dōjō steht in Noda in der Präfektur Chiba. Wer über „Ninjutsu heute” spricht, spricht fast immer über sie: Die Bujinkan ist die mit Abstand größte der Organisationen, die sich auf diese Überlieferung berufen. Die Künste selbst behandelt der Artikel zum Ninjutsu — hier geht es um das Dach: wie es entstand, wie es graduiert, wie es geführt wird und was an seiner Herkunft belegbar ist. Der letzte Punkt ist der interessanteste, denn die Antwort steht in einem einzigen Buch.

Warum die Organisation einen eigenen Eintrag verdient

Der Bestand nennt die Bujinkan an vier Stellen — im Ninjutsu, beim Bōjutsu, beim Shurikenjutsu und beim Tessenjutsu — und erklärt sie an keiner davon länger als in ein paar Zeilen. Sie ist der Ort, an dem diese Waffenkünste heute überhaupt noch unterrichtet werden; wer wissen will, was das für ihre Weitergabe bedeutet, findet die Antwort bislang nirgends.

Die Abfolge, die belegt ist

Toshitsugu Takamatsu (高松寿嗣, 1889–1972) unterrichtete Hatsumi fünfzehn Jahre lang. 1968 setzte er ihn als Nachfolger aller neun Schulen ein. Am 2. April 1972 starb Takamatsu mit 83. Hatsumi benannte sein Dōjō ihm zu Ehren; bis 1978 sind der Name Bujinkan und der Lehrtitel Shidōshi in Gebrauch.

Ein Gründungsjahr ergibt diese Abfolge nicht. Die Literatur nennt 1970, „um 1972”, 1974 und 1978 — das sind vier verschiedene Marksteine, keine vier Meinungen über denselben Tag.

Die Quelle, in der beides steht

Für die Herkunft gibt es einen Prüfstein, und er ist kein westlicher: das Bugei Ryūha Daijiten (武芸流派大事典, „Großes Lexikon der Kampfkunstschulen”), zusammengestellt von Watatani Kiyoshi und Yamada Tadashi, erstmals 1963. Es ist das japanische Standardwerk zu den Ryūha.

Dieses Werk sagt zweierlei, und das ist die eigentliche Pointe:

Was es bestätigtWas es einschränkt
Ab der Ausgabe von 1968 führt es Hatsumi unter Takamatsu — vier Jahre vor dessen Tod und damit zeitgenössisch, nicht rückblickendZur Genealogie der Togakure-ryū schreibt es, sie stütze sich auf verschiedene Schriften und mündliche Überlieferungen und enthalte „viele Stellen, an denen Ausschmückungen hinzugefügt wurden”
Die Übergabe ist damit besser dokumentiert als bei den meisten modernen KampfkunstverbändenDie Ahnenreihe sei „etwas, das [Takamatsus Lehrer] Toda Shinryūken gegen Ende der Tokugawa-Zeit neu geordnet hat”

Belegte Nachfolge und eingeschränkte Ahnenreihe stehen also in derselben Quelle. Wer das Lexikon für die eine Aussage heranzieht, kann die andere nicht übergehen. Das ist ein seltener Fall: Meist muss man Belege und Einwände aus verschiedenen Lagern zusammentragen; hier liefert ein einziges Nachschlagewerk beides, ohne Polemik und ohne Absicht.

Der Aufbau

Die Bujinkan ist bewusst locker organisiert. Es gibt kein Prüfungsgremium, keine Wettkämpfe, keine Verbandshierarchie im Sinne der großen Budō-Verbände. Ein Dōjō gehört dazu, wenn seine Leitung eine gültige Lehrerlaubnis hält und jährlich die Mitgliedskarte erneuert. Was unterrichtet wird, bestimmt im Wesentlichen die Lehrperson.

Das ist Stärke und Schwäche zugleich und wird innerhalb der Organisation auch so diskutiert: Es erlaubt sehr verschiedene Auslegungen derselben Kata, und es macht die Qualität einer Gruppe stark von einer einzelnen Person abhängig.

Die Graduierung — und die fünf Elemente

Unterhalb des Schwarzgurts stehen neun Kyū-Grade, von Kukyū (9.) bis Ikkyū (1.); wer ungeprüft ist, ist Mukyū. Darüber lagen ursprünglich neun Dan-Grade — Hatsumi hat die Skala auf fünfzehn erweitert, und die obersten tragen keine Zahlen, sondern die Namen der fünf Elemente:

GradBezeichnung
10. DanJūdan Menkyo
„11. Dan”Chi 地 — Erde
„12. Dan”Sui 水 — Wasser
„13. Dan”Ka 火 — Feuer
„14. Dan” 風 — Wind
„15. Dan” 空 — Leere

Die Lehrerlaubnis hängt am fünften Dan: Wer ihn hält, kann Shidōshi werden. Vom ersten bis zum vierten Dan ist man Shidōshi-ho, Hilfslehrer unter Aufsicht. Ab dem zehnten Dan lautet die Anrede Shihan. Diese Angaben sind die Selbstbeschreibung der Organisation — sie stammen aus ihren eigenen Dōjō-Ordnungen, nicht aus unabhängiger Literatur, und sie werden hier als das wiedergegeben.

Dezember 2019: die Nachfolge ist geregelt, nicht offen

Beim Daikōmyōsai im Dezember 2019 — dem Jahresfest, das zugleich Hatsumis 88. Geburtstag war — erklärte er seinen Rückzug vom aktiven Unterricht und ernannte acht neue Sōke für die neun Ryūha. Einer von ihnen, Sakasai Norio, übernahm zwei Schulen; daher acht Personen und neun Linien. Hatsumi blieb Oberhaupt der Bujinkan als Ganzes. Seit Januar 2020 unterrichtet er nicht mehr.

Das ist bemerkenswert, weil es dem Muster widerspricht. Bei modernen Kampfkunstorganisationen ist die ungeregelte Nachfolge der Normalfall — sie zerfallen, wenn der Gründer stirbt, und die Reste streiten um den Namen. Die Bujinkan hat die Übergabe zu Lebzeiten und vor Zeugen vollzogen, in derselben Form, in der Hatsumi sie 1968 selbst empfangen hatte.

Verbindungen zu anderen Kampfkünsten

  • Ninjutsu — die Künste, für die die Bujinkan das Dach ist; dort stehen die neun Ryūha einzeln
  • Shurikenjutsu — wird heute überwiegend hier unterrichtet, obwohl seine eigene Linie über Schwertschulen läuft
  • Bōjutsu und Tessenjutsu — zwei Waffenkünste, deren Weitergabe wesentlich an dieser Organisation hängt
  • Kenjutsu — sechs der neun Ryūha sind Samurai-Bujutsu, nicht Ninjutsu

Heute

Die Bujinkan hat Gruppen in über fünfzig Ländern; eine belastbare Mitgliederzahl gibt es nicht, weil die Organisation keine führt. Das Honbu Dōjō in Noda wird von den japanischen Shihan weitergeführt.

Die Kritik trifft die Herkunft, nicht den Betrieb. Dass die Ryūha-Genealogien vor Toda Shinryūken nicht belastbar sind, sagt das Bugei Ryūha Daijiten selbst; dass die Übergabe Takamatsu → Hatsumi dokumentiert ist, sagt dasselbe Buch. Was seit 1968 geschieht, ist gut bezeugt. Was davor liegt, ist es nicht — und die Organisation ist alt genug, dass die eigene Geschichte inzwischen ein Teil davon ist.

Verwandte Artikel

  • Ninjutsu — die neun Schulen und die Kritik an der Überlieferung
  • Shurikenjutsu — die Wurfklingenkunst, die hier fortlebt
  • Bōjutsu — Stabkampf, unter anderem im Kukishin-ryū der Bujinkan
  • Tessenjutsu — der eiserne Fächer, kaum anderswo noch gelehrt
  • Kenjutsu — das Schwert, das in sechs der neun Ryūha im Mittelpunkt steht
  • Budō — der Begriff, unter dem sich moderne Verbände einordnen
Autor: Redaktion ·August 2026
← Alle Japanische Kampfkünste