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Korea ·1918–2002

Choi Hong Hi — Der Gründer des Taekwondo

General Choi Hong Hi (1918–2002) schuf Taekwondo als koreanische Nationalkunst — ein Leben zwischen Militär, Politik und dem Traum eines globalen Kampfsystems.

General Choi Hong Hi, founder of Taekwondo
Wikipedia / Wikimedia Commons, Public Domain
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Inhalt

Überblick

General Choi Hong Hi ist eine der umstrittensten Figuren der Kampfkunstgeschichte — gefeiert als Schöpfer des Taekwondo, von anderen als Mann mit zu viel politischer Agenda gesehen. Die Wahrheit liegt dazwischen: Choi war ein koreanischer Offizier, der unter japanischer Besatzung aufwuchs, heimlich koreanische Kampfkünste pflegte und nach der Befreiung entschlossen war, dem koreanischen Volk eine eigene, unverwechselbare Kampfkunst zu geben. Das Ergebnis — Taekwondo — ist heute der meistpraktizierte Kampfsport der Welt mit über 80 Millionen Anhängern.

GeburtsnameChoi Hong-hi (崔泓熙)
Geboren9. November 1918, Hwa Dae, Korea
Gestorben15. Juni 2002, Pjöngjang, Nordkorea
KampfkunstTaekwondo (Mitgründer/Gründer ITF), Tang Soo Do, Karate
MeisterHan II Dong (Taek Kyon), Funakoshi-Schüler (Karate)
GründungenITF (1966), Oh Do Kwan (1954)

Jugend und Ausbildung

Choi wuchs unter japanischer Kolonialherrschaft auf — eine Erfahrung, die ihn prägte. Mit 12 Jahren wurde er von der Schule verwiesen, weil er einen Schülerstreik gegen die Besatzer angeführt hatte. Sein Vater schickte ihn zu Han II Dong, einem Kalligraphie-Meister, der heimlich Taek Kyon (das alte koreanische Fußkampfsystem) unterrichtete.

1937 reiste Choi nach Japan, studierte Mathematik und Englisch — und trainierte Karate, wo er bis 1940 den Ersten Dan erwarb. 1942 kehrte er nach Korea zurück, um der japanischen Einberufung zu entgehen — wurde aber verhaftet und verbrachte Kriegsjahre im Gefängnis, wo er seinen Mitgefangenen Kampfkunst lehrte.

Schlüsselmomente

1946 begann Choi als Offizier der neugegründeten koreanischen Armee, seinen Soldaten systematisch Kampfkünste beizubringen — zunächst als Tang Soo Do bezeichnet, mit Elementen aus Karate und Taek Kyon.

9. April 1955: Choi schlug auf einem historischen Treffen führender koreanischer Kampfkunstmeister den Namen Taekwondo vor — Tae (Fuß), Kwon (Faust), Do (Weg). Der Name setzte sich durch.

22. März 1966 gründete er die International Taekwon-Do Federation (ITF) — mit acht Mitgliedsländern, darunter Deutschland und die USA. Das war der Beginn der internationalen Verbreitung.

1972 brach er mit dem südkoreanischen Regime unter Präsident Park Chung-hee, der Taekwondo als politisches Propagandainstrument nutzen wollte. Choi ging ins Exil nach Kanada. 1980 reiste er nach Nordkorea — eine Entscheidung, die ihn in Südkorea zur Persona non grata machte, ihm aber in Nordkorea Unterstützung sicherte.

Kampfstil und Techniken

ITF-Taekwondo unterscheidet sich deutlich vom olympischen WTF/WT-Stil:

MerkmalITF-Taekwondo
SchutzsystemHandschützer, keine Hartschalen wie im WT
TechnikenHand- UND Fußtechniken gleichgewichtig
Tul (Muster)24 Pflichtmuster (entsprechend 24 Stunden des Tages)
Sine WaveCharakteristische auf-ab Bewegung als Kraftgenerator
HosinsulSelbstverteidigungstechniken
WettkampfSemi-Kontakt mit Punkten für Technik und Kontrolle

Philosophie

Chois 24 Muster (Tul) sind nach historischen Figuren der koreanischen Geschichte benannt — ein bewusster Akt der kulturellen Rückgewinnung nach der japanischen Besatzung. Jedes Muster erzählt eine Geschichte.

Sein Leitsatz: Taekwondo soll einen Menschen formen, der „vernünftig, gerecht, human, bescheiden und unerschütterlich” ist. Er verfasste den Spirit of Taekwon-Do, der diese Werte kodifiziert — ähnlich wie Kanos Grundprinzipien für Judo.

Taekwondo bedeutet für Choi auch nationale Identität: Die Wiederentdeckung des koreanischen Taek Kyon im modernen System war für ihn ein Akt der kulturellen Souveränität.

Schüler und Erbe

Die ITF existiert bis heute in mehreren konkurrierenden Fraktionen. Das olympische Taekwondo wird durch die World Taekwondo (WT) verwaltet — eine Nachfolgeorganisation, die 1973 als Reaktion auf Chois Exil von der südkoreanischen Regierung gegründet wurde.

ITF und WT unterscheiden sich erheblich in Regeln, Technik und Philosophie. Choi erkannte die olympische WT nicht an.

Verbindungen zu anderen Kampfkünsten

Taekwondo entstand aus Tang Soo Do und dem alten koreanischen Taek Kyon, stark beeinflusst von japanischem Karate (besonders Shotokan). Hapkido entwickelte sich parallel — einige Meister der frühen Taekwondo-Szene übernahmen auch Hapkido-Elemente.

Heute

Taekwondo ist seit 2000 olympische Disziplin (WT-Stil). Die Debatte zwischen ITF (Tradition und Philosophie) und WT (Wettkampf und Olympia) hält an. Choi starb 2002 in Pjöngjang — ein Ende, das seinen komplizierten politischen Weg widerspiegelt.

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Autor: Redaktion ·Juni 2026
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