Taekwondo — Der Weg des Fußes und der Faust
Taekwondo ist die koreanische Kampfkunst des Fußes und der Faust — geprägt durch explosive Beintechniken und seit 2000 fester Teil des Olympischen Programms.
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Inhalt
Taekwondo — 跆拳道, „der Weg des Fußes und der Faust” — ist die koreanische Kampfkunst, die weltweit mit explosiven Beintechniken, hohen Kicks und athletischer Dynamik gleichgesetzt wird. Der Name setzt sich zusammen aus Tae (발, Fuß/Tritt), Kwon (권, Faust/Schlag) und Do (도, Weg). Trotz seiner jungen formalen Geschichte beruft sich Taekwondo auf jahrtausendealte Wurzeln — auf die Hwarang des Silla-Reichs und auf die Volkskunst Taekkyeon. Wie viel davon Überlieferung ist und wie viel Berufung, klärt der Artikel zum Hwarangdo.
Offiziell als eigenständiger Stil 1955 benannt, entwickelte sich Taekwondo während der japanischen Besatzungszeit und der Nachkriegsjahre zu einem bewusst koreanischen Nationalstil. Heute ist es mit schätzungsweise 80 Millionen Praktizierenden in über 200 Ländern eine der am weitesten verbreiteten Kampfkünste der Welt — und seit den Olympischen Spielen 2000 in Sydney eine feste olympische Disziplin.
Geschichte und Gründung
Antike Wurzeln: Korea kannte seit früher Zeit Kampfformen wie Subak (Fußkampf) und Taekkyeon, eine fließende Volkskunst mit Beinschwerpunkt. Die Hwarang — eine adlige Jugendorganisation des Silla-Reiches (ca. 57 v. Chr. – 935 n. Chr.) — übten neben Dichtung, Musik und konfuzianischer Bildung auch militärische Fertigkeiten. Ein Ehrenkodex namens Hwarang-do wird ihnen häufig zugeschrieben; der Ausdruck ist jedoch erst im 20. Jahrhundert geprägt worden, unter japanischer Herrschaft und nach dem Vorbild des Bushidō. Belegt sind die fünf weltlichen Gebote des Mönchs Won Gwang.
Japanische Besatzung (1910–1945): Während der Kolonialzeit wurde koreanische Kampfkunst unterdrückt. Viele Koreaner erlernten japanisches Karate (besonders Shotokan). General Choi Hong Hi erhielt seinen schwarzen Gürtel in Shotokan und kombinierte diese Techniken später mit koreanischen Elementen.
Nachkriegszeit — Kwans: Nach der Befreiung 1945 eröffneten koreanische Kämpfer verschiedene Schulen, sogenannte Kwans (Dojos): Chung Do Kwan, Moo Duk Kwan, Chang Moo Kwan, Ji Do Kwan, Song Moo Kwan u.a. Diese Schulen hatten unterschiedliche Techniken und Namen (Oh Do Kwan, Tang Soo Do).
1955 — Offizieller Name: General Choi Hong Hi prägte den Begriff „Taekwondo” und setzte ihn am 11. April 1955 offiziell durch. Der Koreanische Taekwondo-Verband (KTA) wurde 1961 gegründet. Durchgesetzt war der Name damit noch lange nicht: Die Kwans stritten ein Jahrzehnt weiter, und allgemein angenommen wurde „Taekwondo” erst 1965 unter dem Dach der KTA. Hwang Kee vom Moo Duk Kwan hat den Begriff nie übernommen (Moenig/Kim, Acta Koreana 19/2, 2016, S. 134) — der Weg dorthin steht im Artikel über Tang Soo Do.
Woher der Name kam, und warum gerade dieser. Der Anstoß war eine Vorführung von 1954: Soldaten unter Chois Kommando zeigten Präsident Rhee Syngman Tangsudo, also Karate, und Rhee nannte das Gesehene „Taekkyeon”. Für den betont antijapanischen Präsidenten brauchte die Kunst eine koreanische Herkunft; ein Jahr später stand der neue Name. Ausschlaggebend war der Klang, nicht die Technik — der Artikel über Taekkyeon führt aus, was Choi selbst 2001 dazu einräumte.
1966 — ITF: Choi Hong Hi gründete in Seoul die International Taekwon-Do Federation (ITF), die er anschließend von Toronto aus leitete. Nach politischen Spannungen verließ er Südkorea — damit begann die Spaltung in zwei Hauptlinien.
1973 — WTF: Die südkoreanische Regierung gründete die World Taekwondo Federation (WTF; seit 2017 nur noch World Taekwondo, WT) als Gegengewicht zur ITF. Der Kukkiwon in Seoul wurde als offizielle Zentrale etabliert.
1988, 1992 — Olympia-Demonstration: Seoul und Barcelona zeigten Taekwondo als Demonstrationssportart.
2000 — Sydney: Taekwondo wird feste olympische Disziplin.
Technische Grundlagen
| Merkmal | ITF-Stil | WT-Stil (Olympisch) |
|---|---|---|
| Haltung | Tiefe Standhaltungen | Aufrechter Stand |
| Schläge | Fäuste zum Kopf erlaubt | Nur Körperschläge (Faust) |
| Tritte | Vielfältig, auch Sprung | Fokus auf Kopftritte |
| Schutzausrüstung | Kopfschutz, Körperpanzer | Hogu (Elektronik), Kopfschutz |
| Wertung | Punktrichter | Elektronische Sensoren |
| Poomsae | 24 Tul (Choi-System) | Kukkiwon-Poomsae |
Das Alleinstellungsmerkmal des Taekwondo ist der überragende Anteil an Beintechniken — schätzungsweise 70–80 % der Wettkampfpunkte entstehen durch Tritte.
Kerntechniken
Dollyeo-chagi — Der Roundhouse Kick; grundlegendste Angriffstechnik.
Naeryo-chagi — Axtkick (Fersenkick von oben); sehr wirkungsvoll gegen den Kopf.
Dwit-chagi — Rückwärtsstoß-Kick; kraftvollste Lineartechnik.
Twieo Dollyeo-chagi — Jumping Roundhouse; Sprungvariante für maximale Punktzahl.
Bandae Dollyeo-chagi — Spinning Hook Kick; zur Seite, Ferse schlägt den Kopf.
Mireo-chagi — Push Kick (Stoßkick); zur Distanzregulierung.
Ap-chagi — Frontkick; grundlegende Linearverteidigung.
Poomsae (형): Taeguk 1–8 (WT) · Koryo · Keumgang · Taebaek · Pyongwon · Sipjin · Jitae · Cheonkwon · Hansu · Ilyeo
Philosophie
Die fünf Grundsätze des Taekwondo (Yuk-gu) bilden das ethische Gerüst:
- Ye-ui (예의) — Höflichkeit und Respekt
- Yom-chi (염치) — Integrität und Aufrichtigkeit
- In-nae (인내) — Ausdauer und Beharrlichkeit
- Geuk-gi (극기) — Selbstkontrolle
- Baek-jeol-bul-gul (백절불굴) — Unbeugsamkeit des Geistes
Das Hwarang-Erbe ist philosophisch wirksam — wobei das, was heute darunter verstanden wird, aus dem 20. Jahrhundert stammt: Der Krieger dient dem Land, der Familie, dem Meister. Geist und Körper sollen in Einklang stehen. Buddhistische Konzentration, konfuzianischer Respekt und taoistisches Gleichgewicht fließen in das koreanische Kampfkunstideal ein.
„Gelingen oder Scheitern des Taekwon-Do-Trainings hängen weitgehend davon ab, wie einer die Leitsätze des Taekwon-Do beachtet und umsetzt.” — Choi Hong Hi, Encyclopedia of Taekwon-Do
Stile und Organisationen
| Organisation | Gegründet | Orientierung | Merkmal |
|---|---|---|---|
| ITF (Choi) | 1966 | Traditionell | 24 Tul, Körperkontakt |
| World Taekwondo (WT) | 1973 | Olympisch | Hogu, elektronische Wertung |
| ATA | 1969 | USA | Eigene Poomsae |
| GTF | 1990 | Traditional | Choi-Abspaltung |
Verbindungen zu anderen Kampfkünsten
- Taekkyeon — Koreanische Volkskunst mit ähnlichem Beinschwerpunkt; direkter kultureller Vorläufer
- Shotokan-Karate — Technische Basis durch japanische Besatzungszeit; viele frühe Taekwondo-Techniken sind Karate-Adapten
- Hapkido — Geschwisterkunst; beide entstanden in der gleichen Nachkriegsperiode in Korea
- Kyokushin-Karate — Technischer Vergleichspunkt im Vollkontaktbereich
Heute — Verbreitung und Kritik
Taekwondo ist mit über 80 Millionen Praktizierenden eine der verbreitetsten Kampfkünste. Der olympische Status (seit 2000) hat massive staatliche Förderung in Korea und weltweit ausgelöst.
Kritik: Die olympische Variante (WT) wird häufig als taktisch eingeschränkt kritisiert — Punktejagd auf Kopfhöhe habe das System vereinfacht. Faustschläge spielen im Wettkampf kaum eine Rolle. Die Spaltung zwischen ITF und WT fragmentiert die Gemeinschaft.
Stärke: Taekwondo ist weltweit eine zugängliche, disziplinierte Kampfkunst mit klarer Pädagogik. Als Schul- und Jugendsport ist es unübertroffen in Reichweite und Struktur.
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Weiterführende Literatur
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