Kuk Sool Won — Koreas vollständigstes Kampfkunstsystem
Koreas umfassendstes System, 1958 von In Hyuk Suh geordnet. Er führt es auf drei alte Überlieferungen zurück — belegt ist die Gründung, nicht die Herkunft.
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Inhalt
Kuk Sool Won (국술원, „Institut der nationalen Kampfkünste”) ist Koreas umfassendstes traditionelles Kampfkunstsystem — ein ehrgeiziges Projekt, das alle klassischen koreanischen Kampfkünste in einem kohärenten System vereint. 1958 von In Hyuk Suh gegründet, basiert Kuk Sool Won auf drei historischen Quellen: den Volkskunst-Traditionen (Sah Doh Mu Sool), den buddhistischen Kampfkünsten koreanischer Klöster (Bool Kyo Mu Sool) und den Königshof-Kampfkünsten der koreanischen Dynastien (Koong Joong Mu Sool). Diese Synthese macht Kuk Sool Won zu einem der reichhaltigsten Kampfkunstsysteme Asiens: 24 traditionelle koreanische Waffen, Gelenkhebel- und Wurftechniken aus dem Hapkido-Erbe, Kick- und Schlagtechniken, Heilkünste, und innere Energieentwicklung — all das in einem einzigen, strukturierten System. Die koreanische Regierung erkannte Kuk Sool Won 1963 offiziell an. Der Verband gibt Schulen in über 50 Ländern an; seine Zentrale sitzt in den USA.
Geschichte und Gründer
In Hyuk Suh (* vermutlich 1940er) wuchs unter außergewöhnlichen Umständen auf: Sein Großvater Myung Deuk Suh war Kampfkunstausbilder am koreanischen Königshof (Königliche Familie der Joseon-Dynastie). Durch ihn erhielt In Hyuk Suh frühen Zugang zu den geheimen Königshof-Kampfkünsten.
Als sein Großvater im Koreakrieg starb, reiste Suh durch Ostasien — besuchte buddhistische Klöster in Korea, Japan und China und studierte kampfkünstlerische Traditionen, die in diesen spirituellen Gemeinschaften bewahrt worden waren.
1958 gründete er das erste Kuk Sool Won in Korea — mit der Vision, alle authentischen koreanischen Kampfkünste in einem System zu bewahren, das sonst durch Modernisierung und Vergessen verloren gehen würde.
1963: Erste offizielle Anerkennung durch die koreanische Regierung.
1974: In Hyuk Suh emigriert in die USA und gründet dort 1975 die World Kuk Sool Association — bis heute der Sitz des Verbands, im texanischen Magnolia.
Drei Quellen des Systems
Die folgende Dreiteilung ist die Darstellung des Systems selbst. Sie ordnet, woher Kuk Sool Won seine Bestandteile herleitet — sie ist keine unabhängig belegte Herkunftsgeschichte. Was sich datieren lässt, steht darunter.
| Quelle | Koreanisch | Inhalt |
|---|---|---|
| Volkskunst | Sah Doh Mu Sool (사도무술) | Stammes- und Familientraditionenkampfkünste |
| Buddhistische Kunst | Bool Kyo Mu Sool (불교무술) | Kloster-Kampfkünste buddhistischer Mönche |
| Königshof-Kunst | Koong Joong Mu Sool (궁중무술) | Kampfkünste des koreanischen Königshofs |
Was belegt ist und was behauptet wird. Belegt sind die Gründung des Lehrgangs ab 1958, die staatliche Anerkennung und der Aufbau des Verbands in den Vereinigten Staaten. Nicht unabhängig belegt ist die Herkunftserzählung: weder das Amt des Großvaters am Königshof — der koreanische Hof endete 1910 — noch eine über sechzehn Generationen fortlaufende Familienlinie, noch die Existenz der drei Mu-Sool-Kategorien als getrennter historischer Traditionen. Derselbe Fall steht in dieser Enzyklopädie noch zweimal: beim Hwarangdo und beim Haidong Gumdo, beide nach 1960 gegründet und auf Krieger des 7. Jahrhunderts berufen. Das macht das System nicht schlechter. Es macht nur seine Geschichte kürzer, als sie erzählt wird.
Technikkategorien
Kuk Sool Won umfasst über 3.608 Techniken in verschiedenen Kategorien:
Gelenkhebel und Kontrolle: Aus dem Hapkido-Erbe — Handgelenk, Ellenbogen, Schulter, Knie, Hüfte und Sprunggelenk.
Würfe und Abwürfe: Schulter-, Hüft- und Beinstürfe aus verschiedenen Ausgangspositionen.
Tritte und Schläge: Koreanische Kicktechniken mit Betonung von Effizienz und Ausdauer.
Waffen (24 traditionelle): Ssang Jol Bong (Nunchaku) · Jang Bong (langer Stab) · Gum (Schwert) · Dan Gum (Kurzmesser) · Jool Bong (Kettenstab) · Chang (Speer) · Jung Bong (mittlerer Stab) · und 17 weitere.
Innere Kraft und Heilung: Ki-Entwicklung, Atemübungen, koreanische Heilkünste (Chiryo).
Philosophie
Kuk Sool Won hat einen expliziten ethischen Kodex:
- Loyalität gegenüber Land und Eltern
- Respekt vor Lehrern und Älteren
- Vertrauen unter Freunden
- Keine Rückwärtsschritte im Kampf
- Keine unnötige Gewalt
Das Ziel: Ganzheitliche Entwicklung — körperlich, geistig und spirituell. Kuk Sool Won ist nicht nur ein Kampfsystem, sondern ein vollständiger Lebensweg in der koreanischen Tradition.
„Kuk Sool Won ist nicht dafür, Wettkämpfe zu gewinnen. Es ist dafür, das vollständige menschliche Potenzial zu entwickeln.” — In Hyuk Suh zugeschrieben; eine Quelle dafür ist nicht auffindbar. Belegt ist von ihm nur ein Satz aus dem Vorwort der Verbandslehrbücher
Verbindungen zu anderen Kampfkünsten
- Hapkido — engster Verwandter; Kuk Sool Won enthält das vollständige Hapkido-Erbe plus Königs- und Klosterkünste
- Taekkyeon — integriert als Teil des Volkskünste-Systems
- Escrima/Arnis — strukturell ähnliches Konzept: ein vollständiges System aus verschiedenen Quellen synthetisieren
Heute
Kuk Sool Won hat Schulen in über 50 Ländern, mit dem Schwerpunkt USA und Großbritannien. Die World Kuk Sool Association in San Marcos, Texas ist das internationale Hauptquartier.
Der Verband führt In Hyuk Suh unverändert als sein Oberhaupt; seine Kinder sind in die Führung eingebunden. Das System wächst stetig — besonders in der anglophonen Welt.
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